Nachrichten
von der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt
Ausgabe 2 / April 2007, Nr. 10
Mittelungsblatt für Mitglieder und Freunde des Vereins
Rückblick auf 2006 und Ausblicke
Das
Jahr 2006 war für unsere Vereinsarbeit geprägt vom 20.
Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe. Alle Tschernobyl-Initiativen
und Atomkraftgegner-Gruppen planten, teilweise in Kooperation oder
in Netzwerken für das Jahr 2006, kleinere oder größere
Aktionen, um wieder einmal auf die Folgen der
Tschernobyl-Katastrophe hinzuweisen. Dies war wichtig, nicht nur um
auf die eigene Arbeit hinzuweisen, sondern vor allem, um die
mahnende Stimme gegen die aufkommende Euphorie der Atomenergie zu
erheben.
Euphorie
gab es aber auch auf der anderen Seite. Man erinnerte sich an den
10. Jahrestag, an dem z.B. in Braunschweig von unterschiedlichen
Organisationen zu einem Sternenmarsch in die City aufgerufen wurde.
10.000 Menschen (meist Schüler) folgten diesem Ruf.
10 Jahre später war das alles viel schwieriger, denn die
Jugendlichen, die beim 10. Jahrestag mitmachten, konnten sich
vielleicht noch an die Zeit nach dem Bekannt werden der Katastrophe
erinnern. Sie waren damals 4, 6 oder 8 Jahre alt und zum Zeitpunkt
des 10. Jahrestages waren sie dann eben 14, 16 oder 18 Jahre alt.
Selbst
die heute 18-Jährigen haben die damaligen Aufgeregtheiten im
Zusammenhang mit der Tschernobyl-Katastrophe nicht miterlebt. Diese
Tatsache wird in Zukunft unsere Arbeit noch schwerer machen. Die
Menschen, die noch eine eigene Vorstellung von der Zeit im April
1986 und danach haben, werden immer weniger. Um so mehr aber die
Erinnerung verblasst und damit die eigene Erfahrung mit der Angst
und Verunsicherung aus dem Gedächtnis verschwindet, um so
leichter haben es die, die meinen, Atomkraft ist das Allheilmittel
gegen den Klimawandel.
Auch
die Menschen werden es in Zukunft leichter haben, die Behauptung in
die Welt zu setzen, die Atomindustrie könnte pro Jahr einen
Unfall wie in Tschernobyl verkraften, denn es war ja nicht so
schlimm: 50 Tote, ein paar tausend krebserkrankte Kinder, die zu 99
Prozent heilbar seien.
Wir
wissen: Solche Äußerungen sind ein Schlag ins Gesicht der
Betroffenen, aber auch der Wissenschaftler, deren wissenschaftliche
Arbeiten von der Atombehörde nicht anerkannt werden.
Letztendlich ist eine solche Äußerung auch ein Schlag ins
Gesicht der vielen Tschernobyl-Organisationen und freiwilligen
Helferinnen und Helfer, die sich um die Tschernobylopfer kümmern.
Am
5. April 2006 wurde im ntv die Sendung ausgestrahlt: „20
Jahre nach Tschernobyl“- "Die IAEO lügt",
dies zeigt, dass auch die andere Seite nicht passiv ist –
und das ist gut so! Wie schnell immer wieder die Atomenergie als
„saubere“ Energie und als Allheilmittel aus dem Hut
gezaubert wird, merken wir an der gegenwärtigen Diskussion
beim Thema „Klimawandel“. Wir, die wir um die Folgen
der Tschernobyl-Katastrophe wissen, müssen uns in einem
Netzwerk „Gegen die Tschernobyl-Lüge“
zusammenfinden, ehe wir vor vollendeten Tatsachen gestellt sind.
Ohne deshalb ein Kind weniger zur Erholung einladen zu wollen und
ohne deshalb eine LKW voll Hilfsgüter weniger nach Belarus
schicken zu wollen, denke ich, dass wir mit dem Kampf gegen die
Tschernobyl-Lüge den Tschernobylkindern auf lange Sicht den
größten Dienst erweisen.
Paul Koch (Vorsitzender), Irene Koch (Geschäftsführerin)
Rückblick auf die Aktionen im Jahr 2006
05.Januar 19.30 h
Abend der Begegnung in Schöppenstedt/ Gemeindehaus. Kantor
Bernhard Stützer hielt einen Vortrag über die
Weihnachtszeit. (Vor- und Nachweihnachtszeit)
01.-30. März,
In den Fluren des Schöppenstedter Rathauses war die
Ausstellung „Einblicke in Brauchtum, Kultur und
Besonderheiten Weißrusslands“ zu sehen. Die
Eröffnung fand statt im Beisein von Botschaftssekretär
Alexey Sajzew (belarussische Botschaft / Berlin) und
Samtgemeindebürgermeisterin Ruth Naumann.
Es war die Auftaktveranstaltung vom Netzwerk Braunschweig
„Tschernobyl20“.
20.-30.März
Tschernobyl - 20 Jahre danach: Die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe.
Zu diesem Thema hielt Dr. Mikhail Malko (Leitender Wissenschaftler am
Vereinigten Institut für Kraftwerksingenieurwesen und
Kernforschung der Nationalen Akademie der Wissenschaften von
Belarus, Minsk.) Vorträge wie folgt:
21. März, 19.00 Uhr Schöppenstedt (Jahreshauptversammlung)
22. März, 19.00 Uhr Fachhochschule WF
23. März, 19.30 Uhr Kirchengemeinde Braunschweig-Mascherode
27. März, 19.30 Uhr Kirchengemeinde Schöppenstedt (Männerabend)
28. März, 19.00 Uhr Salzgitter
21. März, 19.00 Uhr
DieMitglieder - Jahreshauptversammlung fand wieder in Schöppenstedt
statt. Nach der Begrüßung von Paul Koch hielt Prof. Dr. Manfred Kwiran
die Andacht. Ein ausführliches Grußwort hielt Dr. Mikhail Malko/
Minsk. Nach div. Berichten wurde der Vorstand turnusgemäß neu gewählt:
Wieder gewählt wurden Paul Koch (Vorsitzender); Irene Koch
(Geschäftsführerin); Christiane Seekamp (Kassenführerin)
und als Beisitzer/in Karl-Siegfried Bottke u. Marita Meyer. Neu wurde
als Beisitzer gewählt: Folco Heinke. Dem bisherige Vorstandsmitglied
Renate Konietzko wurde im Rahmen einer außerordentlichen Vorstandssitzung
für ihre langjährige Arbeit gedankt.
15.-27.April
DerKinder- und Jugendchor Buslik (Storch) war im April in
unserer Region auf Tournee. Sie sangen und tanzten. Ihr Programm
bestand aus aktueller, belarussischer
und russischer Popmusik und „kreativer“ Folklore
20.April - 20.Mai
In der St. Martinikirche Braunschweig war die Ausstellung „Schönheit
und Tragödie Weißrusslands“ von Anatol
Kliashchuk (Minsk) zu sehen. Die Eröffnung fand im Beisein des
Fotografen Anatol Kliashchuk/ Minsk, Botschaftsrat Leonid
Shinkevich (belarussische Botschaft/Berlin), Peter Dickel (AG
Schacht Konrad/ Netzwerk „Tschernobyl20“), Propst Armin
Kraft und Gemeindepfarrer Friedhelm Meiners statt. Im
Anschluss an die Eröffnung der Ausstellung gab die Stadt
Braunschweig einen Empfang für Anatol Kliashchuk. Ulrich
Markurth, Stadtrat der Stadt Braunschweig (Sozial-, Gesundheits- und
Jugenddezernat) empfing die Gäste und hielt die Festrede.
24.April, 19.00 Uhr.
Der belarussische gemeinnützige Verein „Hoffnung für
die Zukunft“ wurde von Michail Kaslowski,
Vorsitzender (Minsk) vorgestellt. Gleichzeitig berichtete er über
den Stand der Vorbereitung zur Kindererholung aus belarussischer
Sicht.
25.April, 19.00 Uhr
20 Jahre Tschernobyl. Die Gedenkveranstaltung fand in
Schöppenstedt mit Pröpstin Bernhild Merz, Michail
Kaslowski; Pastor Bernhard Kiy, Paul Koch, Jugendliche der
Propsteijugend und Kinder- u. Jugendmusikgruppe Buslik (Storch)
statt.
05.Juni - 02. Juli
Kindererholung. 34 Kinder aus Belarus wohnten in der Freizeit- und
Bildungsstätte Asse (Falkenheim) und an Wochenenden in
Familien.
In diesem Zusammenhang fanden im Falkenheim einige öffentliche
Veranstaltungen, wie Abende der Begegnung und Vorträge zum 20.
Jahrestag, statt.
Der Pfarrkonvent hielt seinen monatlich stattfindenden Pfarrkonvent mit
dem Schwerpunktthema „Tschernobyl“ ebenfalls im
Falkenheim unter Beteiligung der Kindergruppe/Betreuer ab.
01. September 17.00 Uhr
Helferfete
im Gemeindehaus. Inzwischen ist es schon Tradition, dass sich „die
Aktiven“ Mitglieder und Freunde des Vereins am 1. Freitag im
September zusammenfinden.
Ziel des Treffens ist es, ein Dankeschön an die Aktiven zu richten, aber
auch, dass sich die Helfer aus den unterschiedlichsten Bereichen
kennen lernen können.
Dieses Mal sind auch weitgereiste Helfer gekommen:
- Kathrin und Thomas Schafbuch aus Hildesheim, die uns in Fragen der
Druckerzeugnisse und Hilfstransporte beraten und unterstützen.
- Olga und Nikolai Philipp aus Hamm. Olga hilft uns mit vielen
Übersetzungsarbeiten aus dem Russischen oder ins Russische.
28. November 18.00 Uhr
Rückblick
auf das Jahr 2006 (20 Jahre Tschernobyl-Katastrophe) im
Gemeindehaus, Schöppenstedt.
Im Mittelpunkt dieses
Rückblickes stand die Resolution von Feldkirch und eine
Auswertung der Netzwerkarbeit „Tschernobyl 20“.
Hilfstransporte im Jahre 2006:
Am 20.01., 31.03. und am
10.11. fuhr je ein Hilfstransport nach Minsk (Hoffnung für die
Zukunft). Unsere Außenstelle Kassel schickte ebenfalls einen
LKW nach Minsk. Am 19.05. verlies ein Hilfstransport ins
Behindertenzentrum nach Soligorsk die Kleiderkammer. Der LKW nach
Soligorsk brachte vor allem Baustoffe (Waschbecken etc.) für
den geplanten Arbeitseinsatz im Behindertenzentrum nach Belarus.
Ein weiterer Teil an Sachspenden ging an die Baptistenkirche in
Soligorsk und Umgebung.
Für Minsk befand sich auf den LKW´s: Kleidung, Schuhe und
Spielzeug, aber auch Farbe, Fahrräder, Rollstühle,
Rollatoren und Computer.
Leider stiegen die Preise pro Transport von 2.200,00 € teilweise auf
über 3.000,00 €.
Nach Auskunft unseres Partners in Minsk sind die Hilfstransporte jedoch
nach wie vor wichtig!
Wir hoffen auf entsprechende Geldspenden für die Transporte, um
diese humanitäre Hilfe weiter fortsetzen zu können.
Unser Buch:
Völkerverständigung und Freundschaft am Beispiel Deutschland/Belarus
wurde am 22. März in der UNESCO-Projektschule Wolfenbüttel
(Lessing-Realschule) der Öffentlichkeit vorgestellt.
Lesen Sie auch unsere weiteren
Buchinformationen!
Vorsitzender: Paul Koch
Geschäftsführerin: Irene Koch
Hauptstr. 34
38170 Uehrde-Watzum
Tel. 05332/6226(Verein) 05331/802-525 (Dienst) oder
0173/9294326
Fax: 05332/6205 (Verein) 05331/802-9525 (D.)
Email: tschernobyl-initiative.schoepp@onlinehome.de
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