Reisebericht 8.-11. Dezember / Minsk
Donnerstag 8. Dezember
Wir starten um 7.00 Uhr in Watzum, um 8.00 Uhr in Braunschweig und um
11.40 Uhr startet unsere kleine Propeller-Maschine. Um 15.30 Uhr Ortszeit
werden wir im Flughafengebäude in Minsk von Natascha Dudkewitsch
(Witebsk) und Michael Kaslowski (Minsk) empfangen.
Die Fahrt nach Minsk nutzen wir hauptsächlich um uns ein wenig zu
beschnuppern und sprechen vom Wetter aber auch von den behördlichen
Schwierigkeit die Nicht-Regierungs-Organisationen in Belarus derzeit
(und immer stärker) haben. Wir entschließen uns direkt ins
Büro zu fahren, nicht erst ins Hotel. Hier im Keller eines großen
Stadthauses befinden sich 2 Büroräume, einen Flur, Abstellraum
und Toilette vor. Alles etwas beengt aber dennoch funktional. Die
technische Ausstattung ist gut bis sehr gut (Computer/ Fax / Telefon).
Alles von den deutschen Partnern. Am Schreibtisch von Michael saß
früher ein deutscher Richter. Wenn man von dem Schreibtisch auf den
Richter schließt ist dieser sicher inzwischen im Ruhestand. Wir
stellen uns gegenseitig unsere Institutionen vor und besprechen das
Programm für den nächsten Tag. Michael Kaslowski bringt uns
ins Hotel.
Freitag 09. Dezember
Nach dem Frühstück im Hotel (mit Natascha Dudkewitsch) werden
wir um 9:30 Uhr von Michael Kaslowski abgeholt. Wir fahren zunächst
wieder ins Büro, besprechen dies und das. Uns wird Svetlana, die
Stellvertreterin von Michael Kaslowski vorgestellt. Sie kümmert
sich vor allem um die humanitäre Hilfe. Die Rollatoren, die wir
auf Fotos mitbrachten, findet sie sehr gut, wir können unser Lager
beim nächsten Transport diesbezüglich leeren! Wir kündigen
den ersten Transport mit "Hoffnung für die Zukunft" auf
Ende Januar / Anfang Februar an. Nun sind Besuche in zwei Einrichtungen
angesagt, mit denen "Hoffnung für die Zukunft" zusammenarbeitet.
Mit Svetlana fahren wir zunächst in ein Krankenhaus, dass gleichzeitig
auch als Ärztefortbildung fungiert und inzwischen durch eine
Fördervereinsgründung eine Lizenz erworben hat um auch
humanitäre Hilfe annehmen zu dürfen. Dabei handelt es sich
nicht nur um Medikamente und medizinische Geräte sondern auch um
Kleidung und Spielzeug etc. Dieses Krankenhaus befindet sich in
unmittelbarer Nachbarschaft zu der Kinderkrebsklinik, die von Deutschen
und Österreichern gebaut wurde und die wir im Rahmen unserer
Expertenreise besichtigt hat (in der Nähe auch vom SOS-Kinderdorf).
Zunächst werden wir von einer Ärztin freundlich empfangen, die
uns weiter führt in ein kleines Besprechungszimmer. Dass wir erwartet
wurden, merkt man an dem bereits gedeckten Tisch ("Butterbrote",
Kuchen und Schokolade). Hier warten bereits mehrere Personen, ein Mann in
Zivil, eine weiter Mann und eine weitere Frau im weißen Kittel.
Allesamt ProfessorInnen. Zügig kamen wir zur Sache, denn die meisten
der anwesenden sitzen auf heißen Kohlen, da sie auf eine Beerdigung
müssen. Kurz wird das Krankenhaus mit seinen speziellen Merkmalen
dargestellt, dann werden wir gefragt welche Fragen wir haben. Ich bringe
die Tschernobyl-Problematik ins Spiel und frage, wie weit die Patienten
dieses Krankenhauses von der Tschernobyl-Katastrophe betroffen sind, bzw.
in wie weit diese Thematik 20 Jahre danach noch eine Rolle spielt. Prof.
Igor Vasilevski hat dazu einiges zu berichten. Ich frage nach, ob wir das
schriftlich bekommen können, weil, wie auch er weiß, offiziell
es kaum Folgen der Tschernobyl-Katastrophe zu verzeichnen gibt. Er verspricht
uns einen schriftlichen Bericht. Dann kommen wir schnell zu den Problemen
des Krankenhauses, dass scheinbar wie überall im Lande, kaum einen
finanziellen Spielraum hat. Auch hier wird uns ein schriftlicher Bericht,
eine Bedarfsliste, zugesagt. Prof. Igor Vasilevski zeigt uns anschließend
einige Abteilungen des Krankenhauses. Danach fahren wir ins Büro
zurück. Erste Eindrücke werden ausgetauscht und die Vertrautheit
ist bereits so groß, dass wir uns auf das "Du" mit Michael
Kaslowski verständigen. (Die anderen stellten sich ohnehin nur mit
Vornamen vor).
Mit Svetlana fahren wir nun in einen Behindertenkindergarten für
Hörgeschädigte Kinder. Ein ähnliches Gebäude wie
in Soligorsk, die Einrichtung ist auf die spezielle Schädigung der
Kinder eingerichtet, wenngleich überaltert und ausbaufähig.
Im Computerraum stehen 10 Computer, von denen nur 2 funktionieren. Wichtig
ist aber, dass die 10 Computer da stehen, dass dann bei behördlichen
Besuchen die (äußerliche) "Norm" erfüllt ist. Die
Toiletten sind mit Abstand das schlimmste in dieser Einrichtung. Vor kurzem
ist die Leiterin in den Ruhestand gegangen. Jetzt ist hier eine ganz junge,
kompetente Leiterin. Wir werden empfangen und bekommen von den
hörgeschädigten Kindern eine kleine musikalisch-theatralische
Vorführung. Danach besichtigen wir die unterschiedlichen Abteilungen
des Kindergartens mit Schwimmbad, Heimat-Museum und Turnhalle. Im Anschluss
an den Rundgang eine Besprechung (mit "Butterbrot" und Schokolade).
Im Anschluss fahren wir wieder ins Büro. Die Geburtstagsfeier einer
Mitarbeiterin (zu der wir auch eingeladen waren) ist gerade zu Ende als wir
kamen. Bei dem Verzehr der "Reste vom Feste" resümieren wir
unseren Aufenthalt bei "Hoffnung für die Zukunft" und
verabreden die Zeit, wann wir am Sonntag im Hotel abgeholt werden.
Samstag 10. Dezember
Nach dem Frühstück kommt Anatol ins Hotel. Mit ihm besprechen
wir ausführlich die anstehenden Ausstellungen und Dokumentationen im
nächsten Jahr.
Nach dem Mittagessen werden wir von Alena Maniuk, Dolmetscherin des
Chor Buslick (Storch), mit Fahrerin abgeholt. Wir fahren in ein Musikzentrum
der Stadt Minsk. Hier hat der Chor Buslick einen eigenen Übungsraum
mit Bühne und Klavier. Das Klavier wurde aber an diesem Abend nicht
benutzt. Der Backround zu Gesang und Tanz kam aus der Konserve (CD).
Vorwiegend weißrussische / russische Populärmusik wird geboten.
Mit viel Hingabe singen und tanzen die Kinder. Zu jedem Tanz / zu jedem
Vortrag haben die Kinder ein anderes Kostüm an. Ein Folklorelied wird
auch vorgetragen, aber eben nicht mit Akkordeon- sondern mit Popmusik. Am
Ende der vielen unterschiedlichen Vorträge dann auch hier ein Tisch
mit "Butterbrot" / Obst, französisches Fleisch und
französischer Wein (die Gruppe kam gerade einen Tag vorher von
Frankreich zurück). Jetzt werden Details des geplanten Besuches im
April besprochen. Alles in einer freundlichen, familiären Atmosphäre.
Die beiden Leiterinnen sind Angestellte der Stadt Minsk und werden für
20 Stunden bezahlt. Erwartet wird aber, dass sie 40 Stunden arbeiten, was
aber auch nicht ausreicht, wenn man größeres vorhat. Auch ein
großes Maß an Elternengagement ist von Nöten um die
Kostüme zu finanzieren und her zu stellen.
Es ist noch anzumerken, dass wir in den Lücken des offiziellen
Programms uns mit vielen Minsker Freunden getroffen haben, so dass es
wieder eine intensive Zeit in Belarus war.
Sonntag 11. Dezember
Um 7.00 Uhr steht, wie abgesprochen, ein Fahrer von "Hoffnung
für die Zukunft" vor dem Hotel um uns zum Flughafen zu bringen.
Auch der weitere Verlauf der Heimreise verläuft planmäßig.
Um 15.00 Uhr sind wir wieder zu Hause in Watzum.
Paul Koch
Vorsitzender der Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V.
tschernobyl-initiative.schoepp@onlinehome.de
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