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Tschernobyl-Initiative
in der Propstei Schöppenstedt e.V.


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Wie Wasil den Drachen überwandt

Es war einmal ein schrecklicher und grausamer Drache, der sich mitten in einem tiefen Wald eine Höle grub und sich zum Ausruhen niederlegte.
Lange ruhte er nun dort, und kaum einer erinnerte sich noch an ihn. Doch als er sich dann schließlich erhob, brüllte er so laut, daß alle in der Umgebung ihn hörten: "Menschen, Männer und Frauen, alte und junge, bringt mir jeden Tag eine Gabe, eine Kuh, ein Schaf oder ein Schwein. Wer mir etwas bringt, soll leben bleiben, wer aber nicht, den werde ich fressen."
Die Menschen erschraken und fingen an, dem Drachen zu bringen, was er verlangte. So brachten sie ihm alles, was sie besaßen, bis sie schließlich völlig verarmten. Der Drache aber hatte sich so sehr an die Gaben gewöhnt, daß er ohne sie nicht mehr auskam. So flog er zu den Dörfern, griff die Menschen und schleppte sie zu seiner Höle.
Die Menschen gingen ruhelos umher, weinten auf der Suche nach Rettung, sie wußten nicht, wie sie den grimmigen Drachen wieder loswerden sollten.
Zu dieser Zeit gelangte ein junger Mann in die Gegend, er hieß Wasil. Da Wasil die Menschen leiden sah, fragte er nach dem Grund. Und man erzählte ihm das ganze Unglück.
"Beruhigt euch", sagte er, "ich werde versuchen, euch von dem Drachen zu befreien."
Er nahm einen dicken Knüppel und ging in den Wald, wo der Drache hauste. Der Drache erblickte ihn, riß die grünen blitzenden Augen auf und fragte: "Was willst du mit diesem großen Knüppel hier?"
"Dich schlagen", antwortete Wasil.
"Ach geh", wunderte sich der Drache, "lauf lieber weg, solange es noch nicht zu spät ist. Denn wenn ich dir einen Hieb versetze, dann wirst du nicht auf den Beinen stehen bleiben, sondern kilometerweit fliegen."
Wasil lachte auf und meinte: "Rühme dich nicht zu laut, du alte Vogelscheuche! Wir werden ja sehen, wessen Hiebe stärker sind. Schlag zu!"
Der Drache schlug so stark zu, daß die Blätter von den Bäumen fielen. Aber Wasil fiel nur auf die Knie. Er erhob sich und sagte: "War das schon alles? Da lachen ja die Hühner! Jetzt bin ich dran. Aber du mußt dir die Augen verbinden."
Der Drache verband sich mit einem Tuch die Augen und Wasil schlug ihm mit dem Knüppel auf den Kopf, so daß Funken aus seinen Augen sprühten.
"Du scheinst wirklich stärker zu sein als ich", sagte der Drache. "Laß uns nun sehen, wer schneller einen Stein zerquetschen kann."
Der Drache nahm einen pfundschweren Stein, zerdrückte ihn mit seinen Klauen, so daß dieser zu Staub zerfiel.
"Das ist doch nichts besonderes!" lachte Wasil. "Kannst du ihn auch so dolle zerdrücken, daß Wasser herausfließt?"
Da erschrak der Drache und sah ein, daß Wasil stärker war als er. Er sah Wasil an und sagte zerknirscht:"Ich werde alles tun, was du verlangst."
"Ich verlange nichts", antwortete Wasil, "denn ich habe zu Hause mehr, als du dir vorstellen kannst." Da der Drache ihm nicht glauben wollte, lud Wasil ihn ein, mit zu kommen. Sie setzten sich in einen Wagen und fuhren los. Nach einiger Zeit wurde der Drache hungrig und als sie an einer Herde Ochsen vorbeikamen, meinte der Drache:"Laß uns einen Ochsen fangen, um einen Bissen zu essen."
Wasil ging in den Wald, um Bast zu sammeln. Der Drache wartete und wartete. Schließlich ging er zu Wasil und fragte:"Wo bleibst du so lange?"
"Ich sammle Bast für eine Leine, um fünf Ochsen zum Mittag zu fangen", antwortete Wasil.
"Aber warum fünf? Es reicht einer!" wunderte sich der Drachen. Er fing einen Ochsen und schleppte ihn zum Wagen.
"Geh und hole Feuerholz", trug er Wasil auf, "wir werden den Ochsen braten."
Wasil setzte sich unter eine Eiche und fing an eine Zigarre zu rauchen. Der Drache wartete und wartete und ging schließlich zu Wasil: "Wo steckst du solange?"
"Ich wollte diese zehn Eichen mitnehmen. Und konnte mich nicht entscheiden, welche am dicksten sind." antwortete ihm Wasil.
"Warum zehn? Es reicht doch auch eine!" entgegnete der Drache und riß eine dicke Eiche aus.
Sie brieten den Ochsen, und Wasil sagte zu dem Drachen: "Iß du den Ochsen. Ich habe mich bereits zu Hause ausreichend gestärkt."
Der Drache verschlang den Ochsen, und sie setzten ihre Reise fort. Bald kamen sie zum Haus von Wasil. Die Kinder erkannten ihn schon aus der Ferne, liefen ihm entgegen und riefen voller Freude:"Der Vater kommt! Der Vater kommt!"
Der Drache hatte nicht zugehört und fragte:"Was schreien die Kinder?"
"Sie freuen sich, daß ich nach Hause komme und ihnen einen Drachen zum Abendessen mitbringe. Sie haben nämlich großen Hunger..."
Da erschrak der Drache zu tiefst, sprang vom Wagen und machte sich davon. Aber er schaute nicht auf den Weg und fiel in den Sumpf. Der Sumpf war aber so tief, daß der Drache jämmerlich ertrank.
Virtuelle Rundreise


Letzte Aktualisierung am 2006-11-22, Anja Stadelmann. Kontaktadressen