An die
Botschaft der Republik Belarus
z.H. Botschafter W. Skworzow
Am Treptower Park 32
12435 Berlin
Offener Brief
Sehr geehrter Herr Botschafter Skworzow,
in der Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 20.11.2004 war ein Artikel zu
lesen mit der überschrift: Kinder dürfen nicht mehr ins Ausland.
In diesem Artikel stand, dass Präsident Lukaschenko die Reisefreiheit für
Minderjährige abschaffen will. Ausnahmeregelungen sind zukünftig nur noch
durch eine persönliche Genehmigung des Bildungsministers möglich. Als
Begründung für diesen Schritt argumentiert Ihr Präsident: "Bei
Aufenthalten im Westen würden weißrussische Kinder mit den schädlichen
Werten der westlichen Konsumgesellschaft konfrontiert."
Wir hoffen, dass dies alles nicht wahr ist. Wir hoffen, dass hier Ihr Präsident
falsch zitiert wurde!
Sollte er es ernst meinen, ist allerdings nicht nur die Kindererholung, sondern die
gesamte deutsche Unterstützung insbesondere die Humanitäre Hilfe und unsere
Solidarität für das weißrussische Volk in Gefahr.
Sollte er als orthodoxer Christ ernsthaft meinen, dass unsere Werteinstellung
schädlich für die erholungsbedürftigen Kinder ist, dann greift er
die Werte des "christlichen Abendlandes" und des Christentums an. Das kann
er nicht wirklich meinen. Ich vermute eher, dass es für seine Politik schädlich
erscheint, Kinder mit den freiheitlichen und demokratischen Werten der westlichen Welt
zu konfrontieren.
Sehr geehrter Herr Skworzow, Sie kennen unsere Tschernobyl-Initiative und viele
andere Menschen, Gruppen und Vereine in Deutschland, die sich für die
strahlengeschädigte Kinder und darüber hinaus für das ganze
weißrussische Volk engagieren. Sie haben bei Ihren Besuchen bei Gottesdiensten,
Jubiläen und anderen Veranstaltungen immer die Möglichkeit erhalten zu
sprechen. Sie haben bei diesen Gelegenheiten sich auch einen Eindruck von unseren
Wertvorstellungen machen können. Wenn unser Engagement für Weißrussland
tatsächlich schädlich sein sollte, werden wir es sofort einstellen - mit
allen Konsequenzen. Dies ist die Meinung aller Vorstandsmitglieder unseres Vereins.
Teilen Sie dies bitte Ihrem Präsidenten mit. Nach wie vor hoffen wir allerdings
darauf, dass sich alles als ein großes Missverständnis herausstellen wird.
Mit freundlichen Grüßen
Paul Koch
Vorsitzender der
Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt e.V.
tschernobyl-initiative.schoepp@onlinehome.de
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