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Tschernobyl-Initiative
in der Propstei Schöppenstedt e.V.


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Eine Geschichte aus den verstrahlten Gebieten...

Vorwort
Diese Geschichte basiert auf Berichten und Gesprächen mit jungen Menschen aus den verstrahlten Gebieten. Sie ist zwar erfunden, aber dennoch realistisch. Es gibt viele "Iwans" in Weißrußland, Rußland und der Ukraine.

Diese Geschichte soll zeigen, daß eine ganze Generation durch die Tschernobyl-Katastrophe betroffen ist und die Folgen der Katastrophe noch viele Jahrzehnte zu spüren sein werden.

Mein Name ist Iwan. Ich lebe in Minsk, der Hauptstadt Weißrußlands und studiere dort Architektur. Geboren bin ich in einem Dorf bei Homel, nicht weit vom Unglücksreaktor entfernt. Bis zum 26. April 1986 war ich ein ganz normaler 9-jähriger Junge, der auf der Dorfstraße spielte und viel Unsinn im Kopf hatte. Bis dahin war die glücklichste Zeit meines Lebens.

Nach dem Unfall wurde ich krank. Die Krankenhausaufenthalte habe ich irgendwann aufgehört zu zählen. Das Krankenhaus wurde zu meinem zweiten Zuhause. Aber ich überlebte, während viele meiner Freunde sterben mußten. Ihre von Krankheit gezeichneten Gesichter werde ich nie vergessen, auch wenn ich 100 Jahre alt werden sollte (was ich aber nicht glaube).

Nach meiner Schulzeit begann ich mit dem Studium in Minsk. Da ich tschernobylgeschädigt bin, bekomme ich einige Vergünstigungen, wie z.B. die bevorzugte Zuteilung eines Wohnheimplatz. Das ist für mich natürlich eine schöne Sache, jedoch empfinden viele andere Studenten und Studentinnen, die nicht aus den hochkontaminierten Gebieten kommen, das als Ungerecht. Ich kann sie auch sehr gut verstehen. Sie haben teilweise die gleichen gesundheitlichen Probleme wie ich, bekommen aber keinerlei Hilfen.

Mein derzeitiger Gesundheitszustand wird von meinem Arzt als stabil beschrieben. Aber ich bekomme regelmäßig Infektionskrankheiten, wie Grippe, die meistens sehr lange anhalten. Gute Medikamente kann ich mir nur sehr selten leisten.

Das schlimmste dabei ist, das ich in Folge der vielen Krankheiten in meiner Kindheit heute auch unfruchtbar bin. Infolge dessen habe ich natürlich auch sehr große Schwierigkeiten, eine Partnerin zu finden; den Traum von einer eigenen Familie habe ich schon lange aufgegeben.

Alles was mir bleibt ist ein winziger Funken Hoffnung. Hoffnung darauf, das ein Wunder passiert. Ein Wunder, welches bewirkt, das ich doch noch eine Familie gründen kann und nicht einsam und verbittert auf meinen Tod warten muß....

Tschernobyl-Katastrophe

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Letzte Aktualisierung am 2006-11-12, Kai Boever. Kontaktadressen