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Tschernobyl-Initiative
in der Propstei Schöppenstedt e.V.


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Die Tschernobylkatastophe und ihre Folgeschäden

Dieser Vortrag wurde anläßlich des 15. Jahrestages der Tschernobylkatastrophe auf der Jahreshauptversammlung der Tschernobyl-Initiative in der Probstei Schöppenstedt e.V. von dem Vertreter der weißrussischen Botschaft in Berlin, Andrei Schuplak, gehalten.

Um 1:24 Uhr Minsker Zeit erfolgten am 26. April 1986 am Block 4 des Atomkraftwerkes Tschernobyl nacheinander zwei Explosionen, die die Decken zerstörten und das Dach vom Reaktorgebäude abrissen. In die Atmosphäre wurden große Mengen Uranbrennstoffs, Transuran-Elemente, Spaltprodukte, Beton und Graphit ausgeworfen. Es entstand ein Brand. Die radioaktiven Stoffe erreichten eine Höhe von 1,8 km und trieben mit den Lüftströmen in nordwestlicher und nördlicher Richtung über die westlichen und Zentralregionen von Belarus.
Das Ausmaß der radioaktiven Kontamination des belarussischen Territoriums wurde durch die meteorologischen Bedingungen der Bewegung der radioaktiv kontaminierten Luftmassen vom 26. April bis zum 10. Mai 1986, mit Niederschlagen, insbesondere Ende April und Anfang Mai bestimmt. Etwa zwei drittel der radioaktiven Stoffe gingen trocken oder feucht auf belarussischem Territorium nieder. In der ersten Phase des Unfalls verbreiteten sich die Radionukliden, kurzlebige einbegriffen, über das ganze Territorium der Republik.
Radioaktive Emissionen verursachten eine wesentliche Kontamination der Umwelt, der Wohnorte und Gewässer. Eine Erhöhung der Radioaktivität, bedingt durch die Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl wurde in einer Entfernung von mehreren Zehntausend Kilometern registriert.
In der Anfangsphase wurde die Kontamination der Umwelt und die Strahlenexpositionen von Menschen durch Casium-137 (Halbwertszeit 30 Jahre), Strontium-90 (29 Jahre), Plutonium-238 (88 Jahre) und ca. 20 anderen Radionuklide mit kurzen Halbwertszeiten geprägt.
In Belarus wurde mit Casium-137 Territorium von 46,45 Tsd. km2 radioaktiv kontaminiert, d.h. 23 % der Gesamtfläche der Republik (in der Ukraine sind es 5 %, in Rußland -- 0,6 %). Auf dem kontaminierten Territorium liegen über 3600 Siedlungen, darunter 27 Städte, mit 2,2 Mio. Einwohnern. Am stärksten belastet sind Gebiete Homel (1528 Wohnorte), Mahilew (866) und Brest (167). Die infolge der Havarie entstandene Sperrzone nimmt eine Fläche von ca. 1,7 Tsd. km2 ein.

Die Bevölkerung wurde aus dieser Zone im Jahre 1986 ausgesiedelt. Sie ist mit Radionukliden am stärksten belastet und grenzt an das Atomkraftwerk Tschernobyl (Kreise Bragin, Chojniki und Narowlja des Gebiets Homel). Der größte Teil des Territoriums der Sperrzone wird auch in ferner Zukunft infolge der hohen Belastung mit langlebigen Radionukliden landwirtschaftlich nicht genutzt werden können. Dieses Territorium setzt sich aus einzelnen getrenntliegenden Flächen zusammen, in denen nach Aussiedlung von 415 Orten in Gebieten Homel, Mahilew und Brest die wirtschaftliche Tätigkeit eingestellt wurde.
Auf einer Fläche von 131.000. ha des belarussischen Sektors der 30-km-Zone des Atomkraftwerks Tschernobyl ist das staatliche strahlenökologisches Naturschutzgebiet Polessje geschaffen worden. Das Naturschutzgebiet ist das größte geschützte Gebiet auf dem Territorium der Republik Belarus und hat die Aufgaben zur Überwindung der Folgen der Katastrophe zu losen, darunter sind:

  • Verhinderung der Übertragung von Radionukliden auf die angrenzenden Territorien (sekundäre Kontamination);
  • Strahlenökologisches Monitoring;
  • Gewährleistung des Schutzes der geschützten Gebiete und der dort befindlichen Objekte;
  • Schutz der Wälder vor Brand, Schädlingen und Krankheiten;
  • Durchführung von Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Wasserhalts;
  • Gewährleistung einer natürlichen Entwicklung der Vielfalt der lebenden Natur;
  • Forschung an Pflanzen- und Tierwelt;
  • Entwicklung von Technologien zurr möglichen Nutzung der belasteten Böden.

Das Territorium des Naturschutzgebietes ist ein einzigartiges Versuchsfeld für Forschung und Überführung der gewonnenen Ergebnisse in die Praxis. Da die Wälder ca. 38 % der Gesamtfläche einnehmen, wird eine große Aufmerksamkeit den Brandschutzmaßnahmen beigemessen. Es werden 12 und 40 m breite Brandschneisen, Feuerschutzteiche und Beobachtungstürme angelegt, Überwachungsfluge praktiziert.
Zur Verhinderung unbefugten Eindringens auf das Territorium des Naturschutzgebietes, der Ein- und Ausfuhr von Güter werden vom zuständigen Spezialdienst Kontrollmaßnahmen durchgeführt. Es sind 6 Passierstellen eingerichtet, in denen das Personal vom Dienst rund um die Uhr präsent ist, das Territorium wird von den Kfz-Patrouillen überwacht.

Die Tschernobylkatastrophe wirkte sich auf alle Bereiche des menschlichen Lebens, wie Produktion, Kultur, Wissenschaft und andere, aus. Der landwirtschaftlichen Nutzung wurden 2.640 km2 entzogen. Es wurden 54 Kolchose und Sowchose liquidiert, 9 Werke für Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte geschlossen. Sehr stark verringerten sich die Saatflächen und die Bruttoerträge der landwirtschaftlichen Kulturen, der Viehbestand nahm wesentlich ab.
Zusehends nahm die Nutzung der Waldrohstoffe, mineralischen Rohstoffe und anderen Ressourcen ab. In der kontaminierten Zone liegen 132 Vorkommen verschiedener mineralischer Rohstoffressourcen, darunter 47 % abbauwürdige Vorräte an Formsande, 19 % Bausand und 91 % Sand für die Glasindustrie, 20 % Kreidevorräte, 13 % Tonvorräte für die Ziegelsteinproduktion, 65 % Vorräte an Bausteinen und 16 % Zementrohstoffe.
Der Nutzung wurden 22 Lagerstätten mineralischer Rohstoffressourcen, deren Bilanzvorräte sich auf fast 5 Mio. m3 Bausand, Sandkiesmaterial und Tone, 7,7 Mio. t Kreide und 13,5 Mio. t Torf belaufen, entzogen. Aus den Plänen zur Durchführung geologischer Erkundungen ist das Territorium der Erdöl- und Erdgasprovinz Pripjat ausgeschlossen, deren Ressourcen mit 52,2 Mio. t Erdöl bewertet werden.
Ein großer Schaden wurde durch die Tschernobylkatastrophe der Forstwirtschaft zugefügt: Über ein Viertel des Waldbestandes der Republik Belarus, 17.000 km2 Wald, wurden radioaktiv verseucht. Jährlicher Verlust der Holzressourcen beläuft sich heute auf 2 Mio. m3, und bis zum Jahr 2010 werden sie 3,5 Mio. m3 ausmachen. In Gebieten Homel und Mahilew, wo durch Radionuklide jeweils 51,6 % und 36,4 % der gesamten Waldflache kontaminiert sind, wurde der Holzschlag auf großem Territorium vollständig eingestellt. In der kontaminierten Zone befinden sich ca. 340 Industrieunternehmen, die unter grundsätzlich anderen Bedingungen arbeiten müssen.
Infolge der Aussiedlung der Bevölkerung aus den am stärksten betroffenen Regionen wurde die Arbeit einer Reihe Industrieunternehmen und Objekte des sozialen Bereichs eingestellt. Andere tragen hohe Verluste durch den Produktionsrückgang, eine geringe Rentabilität der Anlagenmittel, der Ausrüstung und der Entwäasserungsmaßnahmen. Sehr hoch sind Verluste von Brennstoffen, Rohstoffen und Materialien.

Durch den Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl hat sich die zahlenmäßige und geographische Zusammensetzung der Bevölkerung geändert, das intellektuelle und fachlichtechnische Potential ist verlorengegangen, Arbeitskollektive mit vieljähriger Geschichte lösten sich auf, die wirtschaftlichen Ergebnisse sind zurückgegangen. Die Migration der Bevölkerung wirkte sich auf die Beschäftigung der Bevölkerung in den belasteten Regionen negativ aus, was sich im massiven Abgang der arbeitsfähigen Bevölkerung, in erster Linie der Fachkräfte äußert, und als Folge verschlechterte sich die Qualität der Arbeitsressourcen insgesamt.
Es traten Mängels an Fachleuten in den Regionen, in erster Linie Ärzte und Lehrer, auf. Am stärksten ist der Mangel an Arbeitsressourcen hat der Agrarsektor zu spüren.

Der durch die Tschernobylkatastrophe verursachte Schaden, berechnet auf 30 Jahre zu deren Überwindung, wird mit 235 Mrd. USD bewertet, was dem 32fachen Staatshaushalt der Republik im Jahre 1985 entspricht. Hier sind Verluste berücksichtigt, die eine Folge der Verschlechterung der Gesundheit der Bevölkerung, der Industrie und dem sozialen Bereich, der Landwirtschaft, dem Baugewerbe, dem Verkehr und den Kommunikationen, der Wohnungs- und kommunalen Wirtschaft, der Kontamination der mineralischen Rohstoff-, Boden- und Wasserressourcen sind.
Trotz des Staatshaushaltsdefizits leitet die Regierung ca. 10-25 % Haushaltsmittel in die Überwindung der Folgen der Katastrophe. Hohe Kosten trägt Belarus zur Gewährleistung der Lebensbedingungen der Bevölkerung, darunter als Zahlungen verschiedenartiger Beihilfen und Entschädigungen, die 30-50 % von den Gesamtkosten für das Programm zur Überwindung der Folgen der Katastrophe ausmachen.

Von dem belarussischen Parlament wurden Gesetze verabschiedet, durch die der rechts- und sozial-ökonomische Status der belasteten Regionen und Lebensbedingungen der betroffenen Bevölkerung festgelegt wurden. Entsprechend diesen Gesetzen wurden Maßnahmen getroffen, die eine Verringerung der Einwirkung der Strahlung auf die Menschen gewährleisten sollen. Das sind die Umsiedlung der Bevölkerung aus der besonders stark verseuchten Gebieten; Entzug der verseuchten Böden aus der landwirtschaftlichen Nutzung. Durch Steuervergünstigungen, Schaffung neuer Arbeitsplätze, Einführung eines Sonderstatus der Bevölkerung in betroffenen Regionen (Rentenversorgung, Gesundungsmaßnahmen, Zahlung von Entschädigungen) konnten die Gesundheitsschäden einigermaßen abgefangen werden.

1991 wurde das Staatskomitee für Probleme der Folgen der Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl gebildet, das 1994 ins Ministerium für außerordentliche Situationen und Schutz der Bevölkerung gegen Folgen der Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl, und 1995 in das Ministerium für außerordentliche Situationen umgewandelt wurde. Die Hauptaufgaben des Ministeriums auf dem Gebiete der Überwindung der Folgen der Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl bestehen in der Realisierung der Staatspolitik auf dem Gebiete des Schutzes der Bevölkerung, Koordinierung und Kontrolle der Tätigkeit der Ministerien und der anderen leitenden Zentralorganen in diesen Richtungen.
Zur Lösung äußerst komplizierter ökologischer, medizinischer, landwirtschaftlicher, wirtschaftlicher, sozialer, rechtlicher, geographischer und anderer Probleme wurden alle Wissenschaftler und Fachleute des entsprechenden Profils herangezogen. Im Ergebnis der Forschungen konnten Karten der radioaktiven Kontamination des Territoriums Belarus aufgebaut werden, die die Grundlage für Regierungsbeschlüsse bildeten, darunter über die Umsiedlung der Einwohner aus den betroffenen Regionen, über den Bau neuer Wohnhäuser, Festsetzung der Werte der Strahlungssicherheit u.a. Es war jedoch klar, daß für die Beseitigung der Folgen des Unfalls nicht nur dringende erstrangige Maßnahmen durchgeführt werden sollten, sondern es mußten auch langfristige wissenschaftlich begründete Maßnahmen getroffen werden. Die bisherigen internationalen Erfahrungen der Beseitigung der Folgen der Atomunfalle gaben keine eindeutigen Empfehlungen zur Lösung der Probleme solchen Ausmaßes. Es wurde ein Programm komplexer Forschungen zu Problemen der Beseitigung der Folgen der Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl ausgearbeitet und angenommen.
Es ist zu bedenken, daß es zum Zeitpunkt des Unfalls in der Republik praktisch keine wissenschaftlichen Kollektive gab, die sich auf diesen Richtungen spezialisiert hatten. Forschungen solcher Art waren vorwiegend in Rußland konzentriert. Von der belarussischen Regierung wurden umgehend spezialisierte wissenschaftliche Einrichtungen gegründet und die Vorbereitung der Fachkräfte organisiert. Das Institut für Strahlungsbiologie und das Institut für strahlungsökologische Probleme der Akademie der Wissenschaften der Republik Belarus (Minsk), das Forschungsinstitut für Strahlungsmedizin (Minsk) sowie die Wizebsker, Homeler und Mahilewer Niederlassungen dieses Instituts, das Belarussische Forschungsinstitut für landwirtschaftliche Radiologie (Homel) nahmen ihre Arbeit auf. Zur Lösung der Probleme schlossen sich praktisch alle wissenschaftliche Einrichtungen und Hochschulen an, die entsprechende Spezialisten und materiell-technische Ausrüstung hatten: das Institut für Kernenergie der Akademie der Wissenschaften, die Belarussische Staatliche Universität, das Belarussische Forschungsinstitut für Bodenkunde und Agrochemie, das Belarussische Forschungsinstitut für Hämatologie und Bluttransfusion, das Institut für Onkologie und medizinische Radiologie und viele andere.
Die Koordinierung der Tätigkeit wissenschaftlicher Einrichtungen im Rahmen des Programms ermöglichte den Übergang von der Erfüllung operativer Aufgaben zu systematischen Planforschungen der Folgen des Unfalls, um Maßnahmen für deren Minimierung zu entwickeln.

Die medizinischen Folgen sind besonders schockierend. Die in den Jahren nach dem Unfall gewonnenen Daten zeugen von ernsten Störungen des Gesundheitszustands in allen Kategorien der Bevölkerung, die der Einwirkung der Tschernobylkatastrophe ausgesetzt waren. In den Jahren 1987 - 1999 nahm die Zahl der primären und allgemeinen Erkrankungen der Kinder in den meisten Krankheitsklassen sowie die Zahl der Kinder mit chronischen Pathologien zu. Die Zahl der Tumore, und in erster Linie der bösartigen Tumore, nimmt zu. In Gruppen der Primarerfassung wird ein hoher Krankenstand von Schilddrüsenkrebs festgestellt. In der Zeit nach dem Unfall wurde bei der betroffenen Bevölkerung eine gegenüber dem Landesdurchschnitt höhere Erkrankungsrate praktisch in allen Krankheitsklassen bei Erwachsenen und Kindern festgestellt. In der Zeit nach dem Unfall nahm auf den belasteten Territorien die Zahl absolut gesunder Kinder von 60 auf 21 % ab, während der Anteil der Kinder mit chronischen Pathologien von 10 auf 22 % stieg. Bei den Kindern, die aus der belasteten Zone ausgesiedelt wurden, werden jetzt lediglich 13 % als absolut gesund anerkannt. Durchschnittlich werden bei einem Kind 2-3 Erkrankungen diagnostiziert.
Gleich nach der Katastrophe begann die Realisierung eines Komplexes von Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Kinder und Erwachsenen, die Durchführung der Heil- und Gesundungsmaßnahmen, Schaffung des Staatsregisters der durch die Katastrophe betroffenen Personen, Ausarbeitung der Methoden der Diagnostik und Korrektur der durch die Strahlungsfaktoren bedingten Störungen, der Untersuchung der Wege des Eindringens von Radionukliden in den menschlichen Körper, der Einschätzung der Strahlungsbelastung der Bevölkerung und Durchführung der Maßnahmen zu deren Herabsetzung.
Das Ministerium für Gesundheitswesen hat eine aufwendige Arbeit zur Schaffung von Katalogen der Strahlungsdosen der Einwohner der Siedlungen durchgeführt, die bei der Beschlußfassung über die Durchführung der Schutzmaßnahmen genutzt werden.
Zur Gewährleistung des Monitorings des Gesundheitszustandes von über 2 Mio. Personen (Liquidatoren, Personen, die auf belasteten Territorien leben, und Umsiedler) wurde in der Republik ein System der medizinischen Versorgung der betroffenen Bevölkerung geschaffen. An der Lösung dieser Aufgabe arbeiten territoriale therapeutisch-prophilaktische Einrichtungen, spezielle ambulante Ärztegruppen und das medizinische Personal spezialisierter Einrichtungen, die in die belasteten Regionen für eine bestimmte Zeit kommen, sowie Gebiets-, Republikdienste und Forschungsinstitute.
Seit 1993 wird das Belarussische staatliche Register der Personen geführt, die der Einwirkung der Strahlung durch die Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl ausgesetzt waren. In das Register sind Daten von über 187 Tsd. Personen eingetragen.
Eine Reihe therapeutisch-vorbeugender Einrichtungen wurden umstrukturiert, neue spezialisierte Abteilungen geschaffen. In den radioaktiv belasteten Regionen sind Sonographie- und Endoskopie-Diagnostikzimmer eröffnet. In den Jahren nach dem Unfall wurden für diese Regionen 266 Ultraschallgeräte, 140 Endoskope, 30 klinisch-biochemische Labors, 66 Röntgenapparate mit Bildverstärkern sowie Computertomographen angeschafft. In den Gebietsstädten funktionieren immunologische Labors.
Für die durch die Tschernobylkatastrophe betroffenen Personen wurden das Republikanische spezialisierte Dispensaire in Minsk und die spezialisierte Klinik in der Siedlung Aksakowschtschina eröffnet, die Arbeit der Endokrinberatungs- und Behandlungsstellen in den Gebieten intensiviert.
Das neugegründete Forschungsinstitut für Strahlungsmedizin und seine Niederlassungen in Homel, Mahilew und Wizebsk gewährleisten spezialisierte Beratungs- und therapeutische Hilfe, deren wissenschaftliche und methodische Absicherung. Auf der Basis der Minsker Hochschule für Medizin und des Minsker onkologischen Stadtdispensaires wurde das Republikanische spezialisierte Zentrum für Onkopathologie der Schilddrüse und in der 9. Klinik in Minsk eine Abteilung für Knochenmarktransplantation eröffnet.

Maßnahmen des sozialen Schutzes der betroffenen Bevölkerung werden hauptsächlich auf Grund der Belastungsdosen der Bevölkerung und Belastung der Wohn- bzw. Arbeitsorte mit Radionukliden bestimmt. Den Personen, die aus den Sperrzonen umsiedeln, wird der Ausgleich der durch die Umsiedelung und Einrichtung am neuen Wohnort bedingten Ausgaben garantiert. In den sauberen Regionen der Republik wurden eigens für sie Siedlungen errichtet bzw. neue Wohnungen in den Städten gebaut.
In den Jahren 1990-1997 wurden für die umgesiedelten Familien 39.500 Wohnhäuser und Wohnungen mit einer Gesamtflache 3,39 Mio. m2 gebaut. Inzwischen sind die Maßnahmen zur Umsiedelung der Bevölkerung aus den Zonen der erstrangigen und nachfolgenden Aussiedlung in der Hauptsache abgeschlossen. Es handelt sich dabei um insgesamt fast 135.000 Personen, die aus 471 Wohnorten ausgesiedelt worden.

Wie Sie sehen, wurden in den vergangenen Jahren großangelegte Maßnahmen zur Minimierung der ökologisch-wirtschaftlichen und medizinischen Folgen dieser größten Strahlungskatastrophe realisiert.
Trotz dieser Maßnahmen und des erreichten realen Effektes bleiben einige durch die Katastrophe bedingten Probleme nach wie vor nicht gelöst, vielfach sind sie noch akuter geworden.
Eine große Hilfe wurde Belarus dabei durch die Länder Westeuropas und des fernen Auslandes geleistet. In den letzten 5 Jahren konnten sich in den 19 Ländern außerhalb der Republik etwa 220.000 Kinder (über 50.000 jährlich) erholen. Eine große Arbeit leisten dabei 140 gesellschaftliche Organisationen im Ausland und 80 in Belarus.
Einen wichtigen Beitrag zur Linderung der Folgen von Tschernobyl in Belarus wird von den deutschen wohltätigen Initiativen geleistet. Nach offiziellen Angaben haben BRD-Bürger im Jahre 2000 unserem Land humanitäre Hilfe im Wert von mehr als 38 Millionen DM geleistet. Durch humanitäre Transporte aus Deutschland erfolgten mehr als 35 Prozent aller Hilfslieferungen für Belarus aus dem Ausland.
Dafür sind wir auch allen hier anwesenden Mitgliedern der "Tschernobyl-Initiative in der Propstei Schöppenstedt" dankbar und wünschen Ihnen weiterhin Erfolg in Ihrer Tätigkeit bei der Realisierung der humanitären Projekte in Belarus.

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Letzte Aktualisierung am 2006-11-12, Anja Stadelmann. Kontaktadressen