"Spur der schwarzen Wolke" - Mit den Augen
der Kinder
Die Katastrophe von Tschernobyl – mit
den Augen der betroffenen Kinder
und Eindrücke einer deutsch-weißrussischen
Reisegruppe
Julia Golenko, der 9. Klasse Mittelschule Nr. 18 der Stadt
Mahilew
Denkt an die Kinder
Immer wenn ich etwas von Tschernobyl höre, muss ich an
einen schrecklichen Traum denken, den ich einmal hatte und von
dem ich am ganzen Körper zitternd aufwachte. Ich ging
einen Flur mit vielen Türen entlang, öffnete ,jede
dieser Türen und sah, was sich hinter ihnen vebsarg. Dort
lagen körperlich unterentwickelte Kinder und weinende,
abgemargerte und blasse Mütter. Die Kinder starben vor
meinen Augen, verschwanden ins Nichts. Als ich fragte, was das
sei, antwortete man mir: "Das ist das, was sich noch lange auf
dieser Erde fortsetzen wird." Als ich in das nächste
Zimmer trat, befand ich mich am Rande einer Wüste und
erblickte in der Ferne ein grünes Licht, der einzige helle
Fleck überhaupt. Dorthin rannte ich so schnell, als wenn
mich jemand jagen würde.
Als ich von diesem Traum erzählte, konnte niemand eine
Ähnlichkeit mit etwas tatsächlich Existierendem
feststellen. Jetzt aber ist mir klargeworden, dass ich die
Tragödie von Tschernobyl träumte.
Ich bete zu Gott, dass er den Menschen helfen möge, mit
dieser Tragödie fertig zu werden, damit es den mit nichts
zu vergleichenden Kummer nicht gäbe, den eine unschuldige
Mutter wegen der unheilbaren Krankheit ihres Kindes
erleidet.
Um leben zu können, brauchen Fische sauberes Wasser,
Vögel saubere Luft, der Mensch aber braucht das eine wie
das andere. Alle brauchen eine saubere Erde. Es ist noch nicht
zu spät, um zu Verstand zu kommen, die Kräfte
zusammenzunehmen und nicht zuzulassen, dass sich eine weitere
Havrie ereignnet, die vielleicht noch schlimmer wäre, als
die von Tschernobyl. Ich wohne in der Stadt der
"Großchemie" mit erhöhter Verschmutzung durch alle
möglichen Substanzen und Radionuklide, mit einer
Atmosphäre, die vielfach gefährlich ist für die
Gesundheit. Doch ich hoffe auf das Beste, glaube an die
Zukunft, an die Rettung der Menschheit durch die Einsicht.
Ich bitte euch Erwachsene, verschlimmert nicht noch durch euer
Nichtstun das Unglück und lasst nicht zu, dass sich ein
zweites Tschernobyl ereignet. Denkt an die Kinder, denen ihr
das Leben schenkt, hier, auf diesem Stück Erde, wo unsere
Vorfahren beerdigt sind, der heiligen, weißrussischen
Erde.
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