Frühlingsfest im Kindergarten Schandelah
EINLEITUNG
Ich,
Silke Arnold, Erzieherin in der ev.- luth. Kindertagesstätte
Schandelah, möchte im Folgenden unsere Gedanken, Überlegungen
und Aktivitäten aufzeigen, die es uns ermöglicht haben, im
April 2007 eine Spende unserer Einrichtung an die
Tschernobyl-Initiative zu überreichen.
Diesen
Weg sind wir als Team mit den Kindern und Eltern unserer Einrichtung
und Mitarbeitern der Tschernobyl-Initiative in der Propstei
Schöppenstedt gegangen. Nur durch gemeinsamen Einsatz war es
möglich, unsere Idee zu realisieren.
Dafür geht ein großes Dankeschön an
alle, die uns vor und während dem Projekt unterstützt
haben.
Besonders
wichtig war es uns, mit den Kindern über die Reaktorkatastrophe
im April 1986 in Tschernobyl ins Gespräch zu kommen und sie für
dieses Thema zu sensibilisieren, ohne ihnen Angst zu machen.
Rückblickend
können wir jetzt sagen, dass es uns zunächst schwer fiel,
diese Thematik an die Kinder heranzuführen und viele Gespräche
nötig waren, um den Umfang dieses Projektes abzustecken.
Aber wir sind auch stolz auf
unsere Arbeit, weil sie gezeigt hat, mit welchem Interesse und
Wissensdrang Kinder auch mit so furchtbaren Ereignissen und
negativen Gefühlen umgehen können und wir sie damit nicht
überfordern. Dies haben uns auch die zahlreichen Gespräche
mit den Eltern gezeigt.
Natürlich gab
es auch Rückschläge, die wir gemeinsam meistern mussten
und zu denen vor allem Überzeugungsarbeit bei den Eltern
gehörte.
Zusammenfassend
möchten wir betonen, dass uns dieses Projekt gefordert hat und
wir es mit Freude durchgeführt haben.
Wir wollen mit
unseren Ausführungen andere Kindergärten bestärken
und ihnen Mut machen, sich an dieses Thema heranzuwagen.
Das Team der
ev.-luth. Kindertagesstätte Schandelah
Die Vorbereitungen
Sommer 2006
Ausgehend von meinen
persönlichen Gedanken und Gefühlen der Kindererholung im
Juni 2006 entstand zunächst der Wunsch den Verein finanziell zu
unterstützen. Besonders beunruhigend und kritisch waren für
mich die Aussagen, zum heutigen Ausmaß der Katastrophe.
Herbst 2006
Bisher wurde in unserer
Kindertagesstätte in der Weihnachtszeit die Spendenaktion
„Weihnachten im Schuhkarton“ durchgeführt und von
den Eltern unterstützt.
Wir als Mitarbeiterinnen
der ev.- luth. Kindertagesstätte sehen es als Bestandteil
unserer Arbeit an, den Kindern zu vermitteln, wie Kindern in anderen
Ländern der Welt leben und was Solidarität wirklich
bedeutet.
So entstand die Frage im
Team: „ Könnt ihr euch eine Spendenaktion zugunsten der
Tschernobyl-Initiative vorstellen?“
Zu meiner Freude konnte
ich die Mitarbeiter dafür gewinnen und es wurden Gespräche
der Katastrophe von 1986 erörtert. Noch hatten wir jedoch keine
konkreten Vorstellungen darüber, wie so eine Spende zustande
kommen kann und welche Fragen uns begleiten würden.
Gegen Ende des Jahres 2006
informierten wir unsere Elternvertreter in einer Sitzung erstmalig
über den Spendenwunsch seitens des Teams.
Januar 2007
Einige Eltern sprachen uns
an und äußerten den Wunsch nach einem Frühlingsfest,
wie schon im März des vergangenen Jahres.
Daraus ergab sich der Gedanke dieses Fest und eine
Spendenaktion zu koppeln.
Im Team wurde darüber
beraten und einstimmig diese Entscheidung getroffen.
Wir setzten uns mit
Familie Koch in Verbindung um unsere vielen Fragen zu beantworten,
uns fehlende Informationen zu dem Unfall einzuholen, sowie Material
und schon vorhandene Ideen zu besprechen.
Da wir sehr schnell
merkten, dass viele von uns Erwachsenen wenig über die
Katastrophe von 1986 und ihre noch immer währenden Folgen
wissen, sahen wir es als sinnvoll an, Infos darüber zu
vermitteln und gleichzeitig auf die Arbeit der
Tschernobyl-Initiative aufmerksam zu machen. Somit einigten wir uns
mit Familie Koch, unser Frühlingsfest mit der Präsentation
des Vereins auf den 17.März 2007 zu legen.
Februar 2007
Auf einem Treffen mit den
Elternvertretern aller Gruppen wurden Vorbereitungen und Absprachen
zum Fest getroffen. Auch die Verteilung der eingenommenen Gelder war
ein wichtiger Diskussionspunkt. Im Laufe des Gespräches wurde
sehr schnell deutlich, dass nicht alle Eltern unsere Spendenaktion
nachvollziehen können und es wurde Überzeugungsarbeit
geleistet. Unsere Eltern äußerten kritische Fragen zur
Einbeziehung der Kinder.
Im Vorfeld hatten wir
uns dazu schon Gedanken gemacht und dabei das Projekt „Wo
liegt Belarus?“ als zentralen Punkt zu erörtern. Als
besonders wichtig schien uns jedoch die Frage, wie wir dieses Thema
an die Kinder heranbringen können, ohne ihnen Angst zu machen.
Die Argumente der Eltern bestärkten
uns und wir begannen verschiedenes Material zum Thema zu sammeln.
26.2.2007
Bastelabend mit den Eltern
In geselliger Runde wurden
Basteleien für unseren Frühlingsbasar hergestellt und
erste Faltversuche am „Kranich“ riskiert.
27.2.2007
Von Familie Koch erhielten
wir Bilder, Fotos, Souvenirs, Spielzeug usw. aus Weißrussland
Wir schmückten
die Vitrine in unserem Eingangsbereich mit verschiedenen Materialien
aus Weißrussland und trugen Stellwände zur Präsentation
der Arbeit des Vereins in die Halle unserer Kindertagesstätte.
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„Der Regenbogenfisch“
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Um die Kinder stärker
in unser Fest und die damit verbundene Spendenaktion einzubeziehen
bereiteten wir mit ihnen die „musikalische Geschichte des
Regenbogenfisches“ auf. Diese Darbietung sollte zum Höhepunkt
unseres Festes werden.
Auf Wunsch der Kinder
bastelten wir Kostüme, verteilten Rollen, lernten Lieder und
Texte zum Buch.
März 2007
Unsere Vorbereitungen
laufen auf Hochtouren (Aushänge in der näheren Umgebung zu
unserem Fest/ Einladungen, Listen der Eltern) und auch Fragen „Wie
sollen wir das alles schaffen?“ machten sich breit.
Wir kamen an unsere Grenzen.
Weitere Angebote führten wir mit allen Kindern der Einrichtung,
aber auch gruppenintern durch, so z.B.:
- Wir sahen uns auf der Weltkarte an, wo Tschernobyl liegt.
- Wie sieht die Flagge von Weißrussland aus?
- Wir entdeckten die verborgenen Schätze einer Matrijoschka
und malten sie mit den Kindern nach.
- Erste Worte in
russischer Sprache erheiterten die Kinder. Später zählten
wir bis 5, auch „bitte und danke“ wurden russisch
gesprochen.
- Wir backten „Piroschki“
und kochten mit den Kinder „Soljanka“.
- Gemeinsam betrachteten wir
Bilder aus der Nähe von Tschernobyl und erzählten den
Kindern, wie die Menschen dort leben (einfache Wohnungen, kaum
Spielzeug, Pferdewagen als Verkehrsmittel…).
- Wir verglichen ein „Haus
aus der verlassenen Zone“ mit den Häusern unserer Kinder.
- Russische Lieder hörten
wir von einer CD vom Kinderchor „Buslik“.
- Die Vornamen unserer Kinder schrieben wir mit russischen Buchstaben.
- Herr Koch besuchte uns und
erzählte kindgerecht vom Reaktorunfall und dessen Folgen. Er
erklärte, warum es wichtig ist, dass die Kinder nach
Deutschland kommen und sich hier erholen. Dabei zogen die Kinder
Parallelen zu Unfällen, die sie gesehen oder erlebt haben. Wir
sahen uns Dias von der Kindererholung 2006 an.
- Die Kinder stellten Fragen
und bekamen Antworten z.B. „Dürfen wir auch bei Regen
raus gehen?“ oder „Wie sieht ein Reaktor aus?“
- Wir falteten Kraniche. Die
Kinder erfuhren, was das Symbol „Kranich“ bedeutet und
gemeinsam schmückten wir ein Sonnenbild mit Kranichen in
unserer Halle.
16.März 2007
Um 18.30 Uhr trafen sich
viele Eltern in unserer Kindertagesstätte um Preise zu
besprechen und alle Stände aufzubauen. Auch ein Vertreter der
Tschernobyl-Initiative war vor Ort und gestaltete einen Raum unserer
Einrichtung auf „russische Art“.
17.März 2007
Unser Frühlingsfest
startete um 14 Uhr.
21.März 2007
In einer Dienstbesprechung diskutierten wir den Kauf von verschiedene Spiel-
und Bastelmaterialien für einen Kindergarten in Minsk. Wir
kauften Spielsachen ein und verpackten sie gemeinsam mit den
Kindern.
April 2007
Große Kartons stehen
in unserer Halle zur Abholung durch Herrn Koch bereit. Wir alle sind
sehr aufgeregt und hoffen, dass sich die Kinder im Kindergarten
Minsk darüber freuen. Liebe Grüße aus
dem Kindergarten Schandelah gehen mit auf die Reise.
Bericht von Silke Arnold, Erzieherin in der ev.- luth. Kindertagesstätte
Schandelah
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